Schulsozialarbeit oder Wie viel ist ein Mensch wert?

Übach-Palenberg. Es ist schon Ende März und der Frühling scheint langsam zu beginnen. Die Vögel würden uns von ihren Nestern aus begrüßen, sofern es denn noch Bäume in der Stadt gäbe. Das Grün der Bäume und Sträucher sprießt – zumindest soweit sie noch nicht bis auf ihre letzten Zentimeter zurück geschnitten wurden.
Schüler*innen verbringen ihre Freistunden gerne in der Schülerbücherei bei der netten Bibliothekarin – sofern es denn eine gäbe.
Schüler*innen und Lehrer*innen benutzen gerne die frischen, modernen und sauberen Toiletten – sofern es denn welche gäbe.
Jungendliche der gesamten Region gehen gerne ins Übacher Schwimmbad – würden sie nicht durch das Verbot der Schwimmshorts in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt.
Alle Menschen in der Stadt freuen sich über sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen – wären da nicht die leerstehenden Einkaufszentren in Palenberg und Übach.

Auch die Politik ist aus ihrem Winterschlaf erwacht und man könnte fast meinen Übach-Palenberg sei ein Kommunalpolitisches Wunder. Wie gesagt – könnte – denn auch hier liegt der Teufel im Detail.
Seit Monaten hört man die selben platten Phrasen “Übach-Palenberg befindet sich im Aufschwung!”, “Uns geht es so gut wie nie!”, “Wir können in diesem Jahr eine überplanmäßige Rückzahlung leisten!”. Doch wenn man hinter die Fassade der scheinbaren Haushaltskonsolidierung blickt wird einem Angst und Bange.

Zwar floriert das Großgewerbe, doch der Einzelhandel ist in den Übach-Palenberger Innenstädten immer rarer gesät.
Investitionen bleiben aufgrund der Sparpolitik größtenteils aus.
Das neueste Opfer der Sparwut sind die Bäume an den Straßen, die aus Kostengründen bis auf ein Minimum zurück geschnitten oder sogar komplett gefällt wurden.

Viel schlimmer als der rigorose Grünschnitt ist der Verzicht auf die Fortführung der Schulsozialarbeit.
Ohne vorher den Rat zu informieren hat der Bürgermeister dem Kreis Heinsberg gemeldet, es bestehe seitens der Stadt Übach-Palenberg kein Interesse an der Fortsetzung des Projektes aufgrund des zuleistenden Eigenanteils bei der Finanzierung.
Die Schulsozialarbeit ist ein Bereich der nicht-öffentlich agiert, aber dennoch einen großen Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit und Armutsprävention -in jeder Hinsicht- leistet.
Hier wird mal wieder an der falschen Stelle gespart!

Bei der Ratssitzung am 23. März legte die SPD-Fraktion einen Antrag auf Fortsetzung der Schulsozialarbeit vor. Weder vom Bürgermeister, noch vom Vorstand der CDU-Fraktion, wurde eindeutiges Interesse an diesem Vorhaben signalisiert. Es wurde lediglich über das fehlende Finanzierungskonzept beziehungsweise über die entstehenden Kosten beraten. Hier wird eine Milchmädchenrechnung vorgenommen die die Menschenwürde zutiefst verletzt.
Menschen werden hier nicht als Menschen bewertet sondern als Kostenfaktoren. Dies ist die dunkelste Auslegung des Kapitalismus, der, in Verbindung mit dem Neo-Liberalismus, in mittelbarer Zukunft zu einem Zusammenbruch des Systems führen wird.

Wer an den Kindern spart, spart an der Zukunft!

Es zeigt sich mal wieder das die Mehrheitsfraktionen im Stadtrat kein Interesse an sozialer Gerechtigkeit und einer wirklichen Konsolidierung des Haushaltes hat.
Es bleibt zu hoffen, dass auch diese verbitterten schwarz-weiß Maler einmal zur Vernunft kommen bevor die Stadt komplett den Bach runtergegangen ist!